Wörterbücher

Realisierung der Wörterbücher


Rätoromanisch Sursilvan–Französisch und
Französisch–Rätoromanisch Sursilvan

 

Nach ihrer Gründung im Jahr 1982 nahm die Fundaziun Retoromana (FRR) neben der soziopolitischen Förderung des Rätoromanischen zwei wichtige praktische Aufgaben in Angriff:

  • die Weiterführung des 1969 gegründeten Sommer-Rätoromanischkurses Sursilvan
  • die Erarbeitung von Wörterbüchern zwischen Rätoromanisch und Französisch mit dem Ziel, das Rätoromanische aus seiner ausschliesslichen Abhängigkeit vom Deutschen zu lösen

Die Wahl des Französischen

Die französische Sprache wurde aus folgenden Gründen gewählt:

  • ihre Stellung in der Schweiz und in der Welt
  • ihre sprachliche Nähe zum Rätoromanischen
  • ihre Bedeutung innerhalb der Romanistik
  • die Verfügbarkeit eines französischsprachigen Redaktors

Die FRR gab der Richtung Rätoromanisch–Französisch den Vorrang.


Von der Idee zur Umsetzung: die ersten Schritte
Die ursprüngliche Idee bestand darin, ein möglichst umfassendes grosses Wörterbuch Rätoromanisch Sursilvan–Französisch zu erstellen und daraus ein kleineres, praktisches Wörterbuch für den täglichen Gebrauch abzuleiten. Aus diesem Grund konsultierte die FRR Personen aus verschiedenen Interessensbereichen und klassierte, auf der Grundlage der Rückmeldungen, eine Liste von rund 40.000 Wörtern nach Prioritäten, um den Inhalt der beiden Wörterbücher festzulegen.

1984 veröffentlichte die FRR zu Konsultationszwecken eine 112-seitige Probeausgabe mit sieben repräsentativen Buchstaben (B, G, H, N, O, U und V). Die rund 6.100 Artikel einschliesslich Verweisen entsprachen etwa einem Sechstel der vorgesehenen endgültigen Anzahl. Sie enthielten jedoch noch wenig Phraseologie.

Diese Probe zeigte deutlich: Für die Erstellung eines detaillierten rätoromanisch-französischen Wörterbuchs war zusätzliches spezifisches Material erforderlich, da die bestehenden Quellen hauptsächlich für und mit dem Deutschen konzipiert waren. Daher sammelte die FRR systematisch über hunderttausend rätoromanische Beispiele aus Literatur, Presse sowie aus weiteren schriftlichen, auditiven und audiovisuellen Dokumenten.

Die FRR gelangte zur Schlussfolgerung, dass eine ehrenamtliche Redaktion in der Freizeit zu lange gedauert hätte. Daher traf sie zwei Entscheidungen:

  • finanzielle Mittel zu suchen, um eine Vollzeitstelle zu ermöglichen
  • die ursprünglich vorgesehenen zwei Wörterbücher in einem Werk mittlerer Grösse zusammenzuführen

 

Die Finanzierung als grundlegende Herausforderung
1986 gelang es der FRR, die Finanzierung für mehrere Arbeitsjahre zu sichern. In der Hoffnung, die weiteren erforderlichen Mittel schrittweise zu finden, beauftragte sie Jean-Jacques Furer mit der Aufnahme der Arbeiten, unterstützt von kompetenten Fachpersonen.

Es gelang jedoch nicht, rechtzeitig zusätzliche Mittel zu beschaffen, sodass die Arbeit mehrere Jahre unterbrochen werden musste.

Die Veröffentlichung des VRF (2002)
Erst 1999 ermöglichten neue finanzielle Unterstützungen die intensive Wiederaufnahme und den raschen Abschluss der Redaktion. Im März 2002 erschien das Wörterbuch Rätoromanisch Sursilvan–Französisch (VRF), ein 720 Seiten starker Band mit rund 25.000 Stichwörtern und Verweisen sowie mehreren Anhängen.

Entwicklung und Planung des VFR
Mit diesem Erfolg war sich die FRR bewusst, erst die Hälfte des ursprünglich geplanten Instrumentariums verwirklicht zu haben. Die bis dahin überwundenen Schwierigkeiten gaben jedoch Anlass zur Sorge. Als Frankophoner hätte Jean-Jacques Furer es vorgezogen, lediglich eine rätoromanische Fachperson bei der Realisierung des umgekehrten Werkes zu unterstützen. Eine solche Person konnte jedoch für das Projekt nicht gefunden werden.

2006 erarbeitete die Stiftung eine Probeversion für das Wörterbuch Französisch–Rätoromanisch Sursilvan (VFR) anhand des repräsentativen Buchstabens F. Auf der Grundlage dieser Arbeit und der daraus gezogenen Schlussfolgerungen wurde ein neues Projekt entwickelt, erneut mit Jean-Jacques Furer als Redaktor, unterstützt von einem ausgezeichneten Berater. Der Arbeitsplan sah keinen festen Termin vor und erlaubte eine flexible Teilzeitarbeit. Parallel dazu wurden Finanzierungsmöglichkeiten geprüft.

Beginn der Redaktion und ihre Schwierigkeiten
Nachdem 2007 ein grosser Teil des Budgets gesichert war, begann die Redaktion nach einem Verfahren, das zumindest die Fertigstellung einer vollständigen Grundfassung gewährleisten sollte. Verschiedene Faktoren verzögerten den Fortschritt des VFR im Laufe der Jahre erheblich, ohne ihn jedoch vollständig aufzuhalten.

Digitale Entwicklung und strategische Neuausrichtung
Angesichts der neuen Möglichkeiten, die die digitale Entwicklung bietet, sowie der Veränderungen in der Nutzung des Internets und in den Erwartungen des Publikums beschloss die FRR 2020, das Projekt grundlegend anzupassen: Beide Wörterbücher werden online auf der Website der Stiftung veröffentlicht, sobald das VFR abgeschlossen ist. Das VRF wird für diese Neuveröffentlichung überarbeitet und aktualisiert; die gedruckte Version bleibt verfügbar. Das VFR wird vorerst nicht in gedruckter Form erscheinen.

Online-Veröffentlichung (PDF) und zukünftige Perspektiven
Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln konnte die FRR die Redaktion des VFR Ende 2025 abschliessen. Diese Version ist nun online als PDF verfügbar, zusammen mit dem VRF, das in gedruckter und digitaler Form erhältlich ist, sowie mit den Anhängen beider Werke.

Diese Online-Veröffentlichung dient nun dazu, die notwendigen finanziellen Mittel zu beschaffen, um die Wörterbücher in eine digitale Benutzeroberfläche zu überführen, die die Recherche erleichtert. Ein weiterer wesentlicher Vorteil dieser neuen Lösung besteht darin, dass jederzeit Anpassungen, Ergänzungen, Aktualisierungen und Korrekturen vorgenommen werden können. Der Zugang zu beiden Wörterbüchern wird frei und kostenlos sein; der Inhalt wird als Open Source zur Verfügung gestellt.

Zusätzlich zu den üblichen Such- und Konsultationsfunktionen wird ein Zugangssystem für die vier weiteren Idiome sowie für Rumantsch Grischun eingerichtet. Dieses System umfasst sämtliche surselvischen Entsprechungen eines französischen Stichworts im VFR sowie alle surselvischen Stichwörter des VRF.

Die FRR wird eine kontinuierliche redaktionelle Betreuung gewährleisten.

Danis, Februar 2026